Body, Mind, Soul
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Gruppeninhalation an der Uferzone

Wäre ich Gesundheitsministerin, wäre das eines meiner wichtigsten Anliegen: Alle mal schön Durchatmen. Jeden Morgen. In der Natur. Nicht erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, sprich: der Körper schreit, der Mensch Krebs hat und nach Kühlungsborn zur Gruppeninhalation an die Uferzone geschickt wird, um zu heilen, sondern jeden Tag durchatmen, erfrischen, auftanken. Atmen allein heilt nicht alles, aber es hilft doch sehr.

So gierig wie viele Menschen nach höher, schneller, weiter streben, so wenig Sauerstoff gönnen sie sich und ihren Zellen. Das ist verrückt. Und so benehmen sich die Menschen nun auch. In vielerlei Hinsicht verrückt. Schau Dich um, lies Zeitung, höre Nachrichten und Du siehst, was ich meine. Wir Menschen wollen viel, machen viel, gönnen uns wenig. Zumindest wenig bewusst. Und vor allem, wenig von dem, was unaufgeregt daher kommt. Gratis auch noch. Reichlich. Für alle gleich viel, gleich schön, gleich gut. Was ist denn daran besonders? Nix. Und doch sprechen wir hier von nicht weniger als dem Lebenselixier: Sauerstoff.

Die meisten Menschen atmen leise und flach. So fühlt sich schließlich auch das Leben an. Flach. Würden wir regelmäßig inne halten, tief durchatmen, seufzen,… Wer weiß, vielleicht bekäme dann auch das Leben wieder mehr Tiefe. Vielleicht würden wir dann einander wieder begegnen wollen, nah sein wollen, uns ernsthaft austauschen und nicht nur updaten. Vielleicht würden wir uns selbst wieder besser spüren, respektvoller mit dem eigenen Körper umgehen und auch das Leben wieder wertschätzen lernen. Vielleicht wären wir auch einfach etwas entspannter, fröhlicher, glücklicher. Möglich.

Die Lunge ist der beste Freund des Herzens und wie die Haut, ein wichtiges Kontaktorgan. In einem vollen Yogaraum wird sehr deutlich, was gemeint ist mit „wir atmen alle die gleiche Luft“. Wir berühren einander über den Atem, ob wir das wollen oder nicht. Wesentlich bewusster berühren wir einander durch Worte, die wir mit unserem Atem gestalten. Sprache kann Nähe schaffen oder Distanz, Freude bereiten oder Wut erzeugen, Antworten schenken oder Fragen stellen, Streicheln oder Kratzen, sich derb oder sanft anfühlen. Auf jeden Fall gelingt auch Sprache m.E. wesentlich freudvoller, wenn wir mal kurz Ruhe bewahren und durchatmen. Seufzen. Raum schaffen. … und erst dann interagieren.

Zum Glück, geht das mit dem Atmen ja ganz leicht. Ein und aus. Durch die Nase. Tief in den Bauch, zwischen die Rippenbögen und unter die Schlüsselbeine und wieder gründlich aus, aus, aus.

Darüber hinaus gibt es dann noch zahlreiche Möglichkeiten, wie wir den Atem gezielt steuern und nutzen können. Für Balance, Entspannung, Erfrischung, mehr Energie und inneres Gleichgewicht. Probiere es aus. Fühl selbst. Fühl Dich.

Die folgende Atemübung, ist Teil meiner Morgenroutine und kommt auch in meinen Coachings regelmäßig erfolgreich zum Einsatz:

Leg beide Hände an Deinen Hinterkopf. Rücken und Nacken sind lang und gerade, das Kinn ist leicht zur Brust geneigt. Schließ die Augen. Rotiere nun mit geradem Rücken soweit wie möglich nach links und atme über die Nase ein. Rotiere dann nach rechts und atme über die Nase aus. Zunächst testend und langsam, dann aber gern schnell und schwungvoll. Nach links, einatmen und nach rechts, ausatmen. Hin und her. Ein- und ausatmen. Die Hände bleiben am Hinterkopf, die Ellenbogen öffnen den Brustkorb und Deine Haltung bleibt schön aufrecht.

Atme so für zwei Minuten. Danach: Arme absinken lassen. Nachspüren.

Erfrische Deinen Körper, erfrische Deinen Verstand, finde Tiefe, Freude, Balance … und atme!

Atme ein, was kommen darf und atme alles aus, was Deinen Körper einengt, sich schwer und dunkel anfühlt.

Atme ein, was Du Dir in Deinem Leben wünschst und atme aus, was Dich daran zweifeln lässt.

Wenn Du gestresst bist, Angst spürst oder den Kontakt zu Dir selbst vermisst: Atme, als würdest Du schaukeln. Ein und aus. Schwinge in Gedanken – vor und zurück. Ein- und ausatmen. Gib Dich der Weisheit Deines Körpers hin. Lass Dich führen. Schwinge mit dem Atem. Schwinge mit Deinem Körper. Und nach und nach, wird sich Besserung einstellen.

Atme. Atme! Es ist genug für alle da.

Alles Liebe, Tina

Foto: Hendrik Thul

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